Saturday, November 11, 2006

Die Rückreise oder Neumünster ist überall

Endlich etwas positives...wir dürfen zurück. Durch den glücklichen Tatbestand von einer netten Kollegin bis Würzburg (Danke nochmal) mitgenommen worden zu sein konnten wir den Schienenersatzverkehr mit umsteigen in Lauda vemeiden...leider war der Kurs deutlich zu früh zu Ende, so dass wir mit unserem 50/50 Ticket (Bahnkenner wissen schon was kommt) nun zarte sechs Stunden Aufenthalt in Würzburg oder alternativ das erneute Bezahlen des Fahrpreises zur Auswahl hatten. Wir haben uns für Würzburg entschieden. Gepäck ins Schließfach, Beine in die Hand und los konnte es gehen. Würzburg selbst ist eine ganz nette Stadt (ergänzt durch die Tatsache das wir trotz Anfang November über 20°C und Sonnenschein hatten), nur die Einwohner haben uns zu der Vermutung veranlaßt "Irgendwie ist überall Neumünster"...wir haben schön am Main unseren Sekt getrunken und ein bißchen was leckeres gegessen, als das Wetter etwas nachließ haben wir uns in eine Original fränkische Weinstube zurückgezogen und uns mit exorbitant leckerem Silvaner auf die Zugfahrt nach Hamburg vorbereitet. Dies hat auch für die erste Hälfte der Fahrt gereicht, danach wurde in dem unerträglich warmen Zug (mindestens 24°C) eine deutliche Medizinlastigkeit auffällig...richtig, zur selben Zeit begann in Hamburg der 8. Kongress für Intensivmedizin oder so, dadurch war der Zug voller munter schwatzender (Intensivschwestern/-pfleger) bis nervig schwadronierender (Intensivmediziner) Leute... Dammtor nix wie raus, abgeholt, noch ein Wasser und Small Talk und dann ab ins Bett. Seit Donnerstag mittag hat die sturmumtoste Insel und die Arbeit uns mittlerweile wieder.

Regionale Differenzen oder Warum niemand einfach nur ein Bewohner seines Bundeslandes ist!

Der Hohenloher Franke an sich!

Nach dem weiteren Kursbericht müssen noch einmal ein paar Worte über die Bewohner der Region Bad Mergentheim fallen: Wie wir feststellen mussten ist dies schon eine besondere Sorte der Gattung Homo erectus...zunächst zur regionalen Zugehörigkeit: Bad Mergentheim ist wie bereits gesagt Baden-Würtembergs größter Kurort, aber weit gefehlt wenn man denken würde die Einwohner würden sich als Badener, Würtemberger oder gar Baden-Würtemberger bezeichnen...nein, nein! Als erstes lernt man das man sich in Franken befindet ("Ah" denkt man bei sich, "schon mal gehört, Franken sind keine Bayern usw..."), aber um sich von den bösen bayerischen Franken die im Norden des besagten Bundeslandes ihr Dasein fristen müssen abzugrenzen handelt es sich logischerweise um die "Hohenloher Franken"...soweit noch alles klar? Da es sich hierbei jedoch um ein traditionelles Grenz- und Eroberungsgebiet handelt haben verschiedene Zeiten und Herrscher ganz eigene Eindrücke hinterlassen, so würde ein Weikersheimer oder Markelsheimer sich nie mit einem Mergentheimer assoziieren, Gott bewahre. Hierzu fällt mir nur das alte Zitat ein: "Ein Deutscher ist nie nur ein Deutscher, sondern wenn ein Berliner. Ein Berliner ist nie ein Berliner, sondern ein Kreuzberger. Ein Kreuzberger ist nie nur ein blabla, sondern wenn dann in seiner alternativen WG erster Vorsitzender der Sitzpinklerfraktion!" Wir sehen, alte Weisheiten enthalten viel Wahrheit!

Die Stadt Mergentheim hat außer dem Deutschordensschloß wenig zu bieten, die ganze Stadt hat einen verblühten Charme so dass ich am Bahnhof bei der Anreise schon dachte "Ich bin falsch umgestiegen, ich bin hier im Osten", siehe auch einen früheren Eintrag. Das Hotel Maritim (guckst Du http://www.maritim.de/typo3/deutsch/hotels/hotels/parkhotel-bad-mergentheim.html) war wohl mal das erste Haus am Platz, hat aber mittlerweile den Aspekt einer Prostituierten kurz vor der Altersteilzeit...Zeitreise in die späten 80er, Rauhputzwände, dicke goldene Handläufe...die Fotos geben nur die halbe Wahrheit wieder. Dafür war das Personal für Mergentheimer Verhältnisse (s.u.) tatsächlich recht nett und bemüht Wünsche zu erfüllen...was wohl auch daran lag das die meisten nicht von dort kamen.

Der gemeine Mergentheimer an sich ist mufflig, unfreundlich und ganz auf seinen persönlichen Gewinn fixiert. Nur als Beispiel: Eine Kollegin geht abends zum Griechen um sich noch etwas zu essen zu holen, gesagt, getan, das Essen kommt und auf die Frage "Kann ich noch ein bißchen Brot dazu haben" kommt die freundliche Antwort "Weißbrot haben die Leut zu Haus´!"...auf den Einwand das sie ja hier im Hotel wohnen würde machte sich besagter Primat grunzend auf die Suche nach Brot, welches dann tatsächlich 2,50€ extra kosten sollte...für vier Scheiben altes Weißbrot. Die Kollegin hat dann auf das Brot und den Drang verzichtet dem Primaten sein Essen über den Kopf zu kippen verzichtet. ..und dies ist nur ein Beispiel von vielen, Taxifahrer die während der Fahrt fernsehen und auf den -berechtigten-Einwand ob das denn gut sei antworten "Das mach ich immer so, sie können ja auf den Verkehr und die Ampeln achten" gehören auch dazu. Da gewinnt der Begriff "Servicewüste Deutschland" ganz neue Dimensionen. Die Originalzitate lassen sich leider nur auf Hochdeutsch wiedergeben da eine Umsetzung des lokalen Idioms (aka Grunzlaute) auf ein lateinisches Alphabet unmöglich ist...die Kollegin mit dem griechischen Essen, welche übrigens sauberstes Hochdeutsch (wenn auch in hoher Wortfrequenz) spricht ist in einem andern Laden übrigens gefragt worden welche Sprache sie sprechen würde...Satire life!

Fazit: die ganze Region bedarf einer thermonuklearen Sanierung, weniger bringt es einfach nicht...oder anders: Ich will da nie wieder hin!

Endlich geht es weiter

So, auf vielfachen Wunsch und nach einigem Genörgel *in-Richtung-China-schiel* endlich die Fortsetzung. Da ich mittlerweile erfolgreich zurück bin teile ich das ganze in verschiedene Bereiche auf:

Der weitere Kursverlauf:
Nach dem Highlight mit unserem promoviertem Sofakissen (ich habe mittlerweile gelernt das die korrekete Gattungsbezeichnung derartiger Frauen in Frankfurt "Taunusschnecke" lautet...Danke, Annette) folgten noch ein paar minder interessante Folgen, ein geriatrisch angehauchter Emeritus aus Neustadt an der Saale (an sich schon Höchststrafe) erzählte uns von seinen Problemen nach besagter Emeritierung, keiner wollte ihn mehr haben, nicht einmal im Osten, deswegen macht er jetzt Entwicklungsmedizin bzw. Ärzte ohne Grenzen. Grundsätzlich eine gute Einrichtung, nicht das ich hier in einen falschen Stallgeruch komme, aber müssen verdiente Ärzte nach einem aufopferungsvollen Leben unbedingt unsere -teuer bezahlte- Kurszeit damit füllen uns Schwänke aus ihrem Leben zu erzählen? Offen für Kommentare... An diesem Kollegen waren noch die hartnäckigen Versprecher ein Grund zur Freude, er sprach konsequent und wiederholt von den Mikroaneurysmen im Joghurt...hoffentlich hat der Joghurt einen guten Neuroradiologen, nicht wahr (kleiner Gruß nach Murnau)!

Ein echtes Highlight war wiederum der schon angekündigte Dermatologe aus Künzelsau (richtig, die mit "Wir können alles außer Hochdeutsch"), der uns munter schwäbelnd über die Probleme mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten, -allergien und Pseudoallergien berichtete...unvergessen sein heroischer Einsatz in der Pizzeria "Romantica" in Heilbronn. Nachdem einer seiner Patienten eine deutliche Histamin-Reaktion nach Genuss einer Pizza "Quattro Stazione" (O-Ton, Pizza vier Bahnhöfe?. Anm. der Red.) gezeigt hatte kletterte unser Schwaben-Quincy am Küchenfenster besagter Pizzeria empor um sehen zu müssen wie ein krimineller Pizzabäcker mit einem Teigschaber die Belagreste nicht aufgegessener Pizzen abkratzte um sie auf neuen Pizzen zu verteilen...yöks, da gehe ich nicht hin! Beachtlich wird dieser körperliche Einsatz dadurch das der Kollege nicht nur den gleichen Schneider wie Helmut Kohl sondern auch dessen BMI hat...

Nachdem ich mir am Montagmorgen dann die Hospitation in der Dialyse-Praxis geklemmt habe (war auch wirklich nicht spannend) durften wir am Nachmittag einer Ernährungsgruppe in der Klinik beiwohnen...ohne Worte.

Das letzte Highlight war dann Dienstag abend das gemeinschaftliche Ausfüllen des Abschlußtestates neben einem exzellenten Essen...ja, das gab es tatsächlich, allerdings nicht in Bad Mergentheim, aber das ist ja schon die Überleitung zum nächsten Themenkomplex.

Nach erfolgreich bestandenem Testat (!!) und salbungsvollen Worten des Kursleiters dürfen wir uns also jetzt alle "Ernährungsmediziner" nennen...hmmm, fühlt sich aber noch nicht anders an als vorher.

Saturday, November 04, 2006

"Alle Norddeutschen essen Kartoffeln" und "mal eine gar nicht so dumme Frage" oder meine persönliche neue Lieblingsfeindin

Weiter ging es am nächsten Tag mit einer promovierten Hausfrau (Dr. oec. troph.) der Universität Frankfurt oder Gießen, wohl nicht so wichtig. Angetan mit einem Hosenanzug in einem Stoff den ich zuletzt vor zehn Jahren bei Möbel Kraft als Sofabezug gesehen hatte (und damals schon nicht mochte) tat sie sich an, den unwissenden Medizinern die tieferen Weihen des "Rationalisierungsschemas" nahezubringen, ein ihrer Meinung nach offensichtlich hoffnungsloses Unterfangen. Gestützt von einem immensen Geltungsdrang und gnadenlosem (jedoch völlig unbegründetem) Selbstbewußtsein schwankte sie zwischen banalen Vereinfachungen, so als würde sie zu einem Haufen grenzdebiler Patienten mit fortgeschrittenem Korsakow-Syndrom sprechen und schlichten Weglassungen ("das brauchen Sie jetzt eh nicht").

Gewürzt wurde das ganze durch von tiefer weltmännischer (weltfraulicher?) Einsicht zeugenden Bemerkungen wie "Die Norddeutschen essen ja gerne zu allem Kartoffeln" (und leben in Höhlen, kuscheln mit ihren Hühnern und haben jeder eine Keule an der Höhlenwand hängen) und unbewußten/freudianischen Versprechern: Auf die Zwischenfrage eines Kursteilnehmers mit "DAS ist ja mal eine gar nicht SO dumme Frage" reagierend. Ergänzt durch den zutiefst fundierten Glauben mit genug Omega-3-Fettsäuren sei die Postinfarktprophylaxe mit ASS 100 ohnehin überflüssig und durch den Hinweis man dürfe ja den Patienten nie seine Telefonnummer geben, dann würden die einen ja zu allen Unzeiten, gar um zehn Uhr abends noch anrufen führte dies bei mir zu einer maximalen Reizüberflutung so dass nach Beobachtung einer Kollegin schon Dampfwölkchen aus meinen Ohren kamen. So macht Weiterbildung Spaß, dafür gibt man gerne Geld aus!

Der Tag wurde danach glücklicherweise durch den sehr netten Besuch gerettet den wir ab mittags hatten, nach der Mittagspause ging es dann glücklicherweise mit anderen Dozenten deutlich besser weiter. Heute ist schon der nächste nette Besuch da, so dass man sich gut "durchhangeln" kann...nur noch vier Tage!

P.S.: Die Namen der erwähnten Dozenten gebe ich auf persönliche Anfrage hin gerne preis, schon allein im Sinne der Prävention...

Die gemeine deutsche Hausfrau und "Ursus elasticus", eine reizvolle Kombination

Weiter mit dem versprochenen Bericht über den netten älteren Herren (vor sechs Monaten emeritierter Professor den Universität Bad Neustadt/Saale). Ich schätze ja diese Dozenten vom alten Schlag die durchaus in der Lage sind 90min. und mehr Frontalunterricht ohne spontan einsetzende Narkolepsie meinerseits zu bewältigen. Also tatsächlich informativ und kurzweilig, mit netten Anekdoten gespickt...der "Ursus elasticus" ist hierbei der gewöhnliche Gummibär. Wahrlich interessant wurde die Veranstaltung durch das doch etwas, nun ja, mittelalterlich anmutende Welt- und im besonderen Frauenbild des Referenten beeinflusst, sprach er doch konsequent über die Qualitäten der deutschen Hausfrau an sich und in der Küche, die Schwierigkeiten der Umsetzung einer modifizierten Ernährung nur für sich (dies sei dem alleinverdienenden Hausherren/Ehemann o.ä. schon rein finanziell nicht zuzumuten), weiterhin könnten die jungen (Haus)frauen heutzutage ja sowieso nicht mehr kochen, geschweige denn einkaufen...einer Kollegin schlugen daraufhin auch prompt die Flammen aus Augen und Ohren und nur sein hohes Alter und der damit verbundene "senile Beißschutz" waren in der Lage sein (Rest)leben zu bewahren! Ich konnte jedenfalls meinen Schatz sinnloser Zitate kostenlos erweitern...

Nicht verhungert...oder die nächsten Tage...

Nein, soweit reicht die Ernährungsmedizin dann doch nicht, aber erst jetzt bin ich wieder zeitlich und organisatorisch in der Lage hier zu schreiben.

Als erstes den angekündigten Bericht über Pool und Saunabesuch, wir haben uns todesmutig in den Pool gestürzt. Klein, aber sauber und vor allem leer, da sich hier nur wenige Gäste hinverirren. Nachdem wir fleißig eine Stunde (ja wirklich) geschwommen sind kam dann die Sauna, welche jedoch zunächst wieder aufgeheizt werden musste (Schaltzeituhr von der Rezeption zu bedienen, ohne Worte). Übersichtlich, aber aufgrund der geringen Befüllung (wir waren die einzigen Gäste) ganz angenehm, lediglich die unteren Bänke wiesen aufgrund der überaus spießbürgerlichen Methode in der Sauna die Badebekleidung anzubehalten eine deutliche Patina (aka Krusten) auf...Gott sei Dank waren genug Handtücher vor Ort, da lacht der Hygienebeauftragte! Und nur die Weichen sitzen ja unten...

Mittlerweile haben wir den Speiseplan des Restaurants fast durch, aber hierzu folgen noch Details, erstmal chronologisch weiter.

Wednesday, November 01, 2006

Der dritte Tag...es ist November!

So, heute mal kurz und mittags, da heute abend endlich mein Schatzi kommt und da habe ich abends sicher keine Lust in der Hotelhalle am PC zu sitzen. Als erstes muss ich noch die unerwartete und äußerst erfreuliche Tatsache erwähnen das ich auf dem ersten Teilstück der Anreise eine sehr kurzweilige und angenehme Begleitung hatte...Überraschungen sind manchmal sehr erfreulich, nicht wahr Schwester ;-).

Der Poolbericht muss leider mangels Erkenntnissen ausbleiben, wird aber nachgeholt...versprochen. So und jetzt muss ich schon wieder was lernen...emeritieter Professor, mal sehen wieviel Kaffe ich brauche.